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Alle Eltern brauchen Pausen

Kurzzeitwohnen als ein Baustein der Entlastung

Alle Eltern brauchen dann und wann Pausen, um Zeit für sich selbst zu haben, um Abstand zu bekommen von der Verantwortung und Verpflichtung, ihr Kind zu betreuen. Dies gilt auch und umso mehr für Familien mit Kindern, die Behinderungen haben oder chronisch krank sind.

Aber diese Phasen des „Durchatmenkönnens“ sind viel schwieriger zu arrangieren. Eltern gewöhnen sich daran, keine Zeit für sich selbst zu haben. Vor allem die Mütter sind stark engagiert und mobilisieren ungeahnte Kräfte, ihren oft schwierigen Alltag zu bewältigen.

Allen Eltern gemeinsam ist der Wunsch nach Erholung und Entspannung, aber nur wenn sie darauf vertrauen können, dass ihr Kind gut und sicher aufgehoben ist. Das größte Problem für eine Familie mit einem Kind mit Behinderung ist, eine Kurzzeiteinrichtung zu finden, in der die Pflege gesichert und das Kind glücklich ist, weil seine Bedürfnisse erkannt werden und ein adäquater Umgang damit selbstverständlich ist. Einrichtungen des Kurzzeitwohnens bieten diese Sicherheit.

Individuelle Hilfeplanung sowie Versorgung und Pflege, Tagestrukturierung, Erhalt und Förderung von Grundkompetenzen (Motorik, Sprache, Lebenspraxis), emotionale Hilfe, Seelsorge, medizinische Hilfe, Zusammenarbeit mit kooperierenden Diensten und Einrichtungen, sowie Schulen, Elternberatung, Krankengymnastik, Ergotherapie, gegebenenfalls Musiktherapie und tiergestützte Therapie finden statt.

Was zeichnet diese Einrichtungen aus?

  1. Sie sind klein und überschaubar
  2. Sie sind ganzjährig geöffnet
  3. Sie sind ein Baustein in der Versorgungsstruktur der Region.
  4. Sie sind an den Bedürfnissen der Gäste und deren Eltern orientiert.
  5. Betreuungsangebote sind ganzheitlich und individuell auf Förderung hin orientiert.
  6. Es findet keine Aussonderung von Kindern und Jugendlichen mit hohem Pflegebedarf statt.
  7. Die Möglichkeit der palliativen Betreuung und Pflege ist gewährleistet.
  8. Fachlich kompetentes, flexibles Personal im Bereich von Pädagogik und Pflege ist vorhanden.
  9. Die Unterstützung und Beratung der Eltern ist gewährleistet.
  10. Finanzierung durch die Pflegekasse (§§ 39,42 SGB XI).
  11. Finanzierung über die Eingliederungshilfe (§§ 53,54 SGB XII.).

Bausteine in dem System der Versorgung

Einrichtungen des Kurzzeitwohnens sind Bausteine in dem System der Versorgung von jungen Menschen mit Behinderungen und dienen der Unterstützung ihrer Eltern .

Der Arbeitskreis Kurzzeitwohnen, der 1998 gegründet wurde und aus dem 2011 becura e.V. hervorging sorgt für die Vernetzung dieser Einrichtungen.

In Westfalen-Lippe hat sich dieses Konzept beispielgebend entwickelt. Mit

14 Einrichtungen und 150 Plätzen verfügt dieser Teil Nordrhein-Westfalens über flächendeckendes regionales Versorgungssystem.

Eine Übersicht über Kurzzeiteinrichtungen in NRW finden Sie unter www.becura.de. Ein Anfang ist gemacht, aber wir brauchen bundesweit mehr Einrichtungen dieser Art: Hotels für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, in denen alles vorhanden ist, was diese Gäste benötigen, um sich wohl fühlen zu können.

Dr. phil. Walther Witting